Brasilsocialchic


Unter dem Dach von Brasilsocialchic vereinen sich mehr als 15 Kooperativen und Unternehmen, die für fairen Handel stehen.

DEVAS

Eine davon ist die NGO Devas, die Frauen in den Favelas, den Armutsvierteln Rio de Janeiros hilft, sich ein eigenes Einkommen zu schaffen und für ihre Kinder zu sorgen. Die Frauen stellen Taschen, Gürtel, Accessoires und Schmuck her, sie häkeln und stricken und verwandeln alte Dosenverschlüsse in wunderschöne Halsketten. Diese Verschlüsse bekam die Kooperative anfangs geschenkt. Inzwischen kaufen sie sie von drei anderen Kooperativen, die wiederverwertbaren Abfall auf Müllhalden sammeln, ihn trennen und säubern und dann die einzelnen Teile wie die Dosenverschlüsse weiter verkaufen.

Die NGO Devas wurde 1998 gegründet und hat ihren Sitz in dem berühmt-berüchtigten Complexo da Maré. Wer nicht muss, betritt diese Armenviertel nicht freiwillig. Der Komplex aus 17 Favelas im Norden Rio de Janeiros ist Niemandsland, eine Gegend der Vergessenen. Maré gilt als gefährlich, als Hochburg von Drogenbanden und ist geprägt von Kämpfen mit der Polizei und häuslicher Gewalt. Die Bevölkerung sind Nachfahren von Einwanderern, die die Landflucht aus dem Nordosten und die Hoffnung auf ein besseres Leben in die Hauptstadt geführt hat. Weniger als 1 Prozent der Bewohner haben einen höheren Bildungsabschluss, jeder fünfte kann weder lesen noch schreiben.

History

Als Devas angesichts der immer mehr zunehmenden Gewalt und Kriminalität auch mit Projekten für gefährdete Kinder und Jugendliche startete, realisierten die Macherinnen schnell, dass sie nur dann etwas für die Jüngsten tun können, wenn sie deren Familien und vor allem die Mütter mit einbeziehen. Viele der Frauen haben Angst, ihre Kinder an kriminelle und gewalttätige Gruppen zu verlieren, sie wollen sie nicht aus den Augen lassen und suchen deshalb keine Arbeit außerhalb des Complexo da Maré. Devas verhilft den Frauen zu einer Beschäftigung in ihrer Wohngegend und damit zu Arbeit und einem eigenen Einkommen. 2014 ist die Näherin Luisa zur Präsidentin von Devas gewählt worden.

Heute arbeiten acht Frauen dauerhaft und 26 Frauen auf Abruf für das Projekt. Devas Ziel ist es, zu wachsen und immer mehr Frauen und Mütter zu unterstützen – mit dem Wissen, dass sie die wahren Beschützerinnen der Jugend in den Armenvierteln sind. Die Fair-Trade-Organisation sucht nach Handelspartnern, kümmert sich um die Logistik und Finanzierung der Produktion.

Die NGO gehört zum brasilianischen solidarischen Handelsnetzwerk Comsol, ist Mitglied bei State Board of Solidarity Economy of the State of Rio de Janeiro und wurde im nationalen Register solidarischer Wirtschaft der brasilianischen Regierung als solidarisch wirtschaftendes Unternehmen anerkannt.

Pintando 7

Um der Spirale aus Armut und Gewalt zu entfliehen, gründete eine Brasilianerin mit ihren erwachsenen Kindern das Unternehmen „Pintando 7“. Per Hand fertigen sie wunderschöne, bunte Halsketten – mit einer besonderen Knotentechnik und aus Kleidung, die sonst im Müll gelandet wäre.

In fast keiner Stadt der Welt gehört Gewalt so zum Alltag der Bevölkerung wie im brasilianischen Nova Iguaçu im Bundesstaat Rio de Janeiro. Vor allem durch die ungleiche Einkommensverteilung ist ein Großteil der Bevölkerung völlig verarmt und wird als billige Arbeitskräfte benutzt.

Um dem zu entkommen, machte sich die Kunsthandwerkerin Edméia de Souza Ferreira gemeinsam mit ihrer Tochter, ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter selbstständig. Sie stellen Marionetten, Puppen und wunderschönen Schmuck her, der durch eine besondere Knotentechnik Edméias entsteht, der “nózinho”-Technik. Gefertigt werden die Produkte aus Stoffresten, die in Handarbeit mit Steinen, Knöpfen und Perlen kombiniert werden.

Um die Vermarktung und den Vertrieb der Produkte kümmern sich Edméia und ihre Tochter Monica gemeinsam. Während Monica die Produkte vor allem online vertreibt, fährt Edméia auf Messen und stellt ihr Kunsthandwerk aus. HUMMEL&WOLF vertreibt aus dem Sortiment des brasilianischen Familienunternehmens wunderschöne, farbige Halsketten.

History

Pura Mixtura

Pura Mixtura – 2002 von der nähbegeisterten Brasilianerin Sandra Mendez ins Leben gerufen. Die Gruppe besteht heute aus acht Frauen und zwei Männern und hat sich auf die Produktion ausgefallener, fair hergestellter Taschen aus besonderen Materialien spezialisiert, die regelmäßig auf Messen in São Paulo und Rio de Janeiro ausgestellt werden.

Die Pura-Mixtura-Taschen haben allesamt einen Upcycling-Look. Ziel ist es immer, Reste zu verarbeiten, die noch in gutem Zustand sind. Die Gruppe probiert immer wieder neue Materialien aus. Die Idee Kassettenband zu benutzen kam Sandra Mendez beim Weben, während ein alter Kassettenrekorder lief. Das Tape blieb plötzlich hängen und nachdem sie es aus dem Rekorder gezogen hatte, sah es fast aus wie Garn. Sie spannte es in den Webstuhl und es funktionierte: Das gewebte Stück glänzte sehr speziell und wunderschön.

Seitdem verarbeitet die Pura-Mixtura-Gruppe dieses Band und vermischt es mit verschiedenen Materialen und Stoffen wie etwa Leder. Die Musikkassetten bekommen sie gespendet oder von alten Geschäften; pro Tag produzieren sie daraus 15 bis 20 Taschen. Gefertigt und in einem Showroom ausgestellt werden die Produkte in Araruama im Bundesstaat Rio de Janeiro. Das Hauptziel der Gruppe ist die Suche nach Originalität, mit jeder Webtechnik wollen sie eine Geschichte erzählen und alte Handwerkskunst mit exklusiven Mustern verbinden.